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Lars Neumann – neue Perspektiven für digitale Souveränität

Lars Neumann denkt Cloud nicht vom Reißbrett aus. Der Senior Vice President T Cloud bei der Deutschen Telekom geht dorthin, wo sich entscheidet, was Unternehmen wirklich brauchen: in ihren Alltag. Zwischen Lieferketten, regulatorischen Anforderungen und wachsendem Wettbewerbsdruck zeigt sich, was Technologie leisten muss, damit Unternehmen handlungsfähig bleiben – nicht durch absolute Unabhängigkeit, sondern durch Kompetenz und echte Wahlfreiheit.

07.09.2026
Lesezeit: 3 min

Cloud beginnt beim Zuhören

Digitale Transformation hat viel mit Technologie zu tun – aber noch mehr mit Nähe. Nähe zu den Menschen, zu ihren Prozessen und zu den Fragen, die sie im Tagesgeschäft bewegen. Genau dort ist Lars Neumann trotz seiner strategischen Führungsaufgabe regelmäßig anzutreffen: im Maschinenraum des deutschen Mittelstands. Nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung. Mitten im Unternehmensalltag seiner Kunden erfährt er aus erster Hand, was sie beim Thema Cloud umtreibt – und wie die Telekom ein starker Partner an ihrer Seite sein kann.

Aus seiner Sicht entstehen tragfähige Konzepte dort, wo Menschen sich Zeit nehmen, Herausforderungen gemeinsam auf den Grund zu gehen. Sein Anspruch: genau hinhören, kritisch nachfragen und gemeinsam mit dem Kunden herausarbeiten, welche Lösungen wirklich gebraucht werden. Dabei berücksichtigt er auch die Faktoren, die häufig unter der Oberfläche liegen: Vendor Lock-in, Datenhoheit, regulatorische Vorgaben und langfristige Kostenstrukturen. So arbeitete er etwa eng mit Tank & Rast-CIO Gerhard Göttert zusammen, als das Unternehmen seine Cloud-Migration im laufenden Betrieb vorbereitete – ein Vorhaben, das technisch wie organisatorisch hohe Anforderungen stellte. 

Andere Märkte, neue Ideen

Dass er bei der Suche nach den besten Lösungen für seine Kunden immer wieder den Blick auf andere Länder richtet, hat viel mit seiner eigenen Erfahrung zu tun: Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in Münster führten ihn seine beruflichen Stationen in den vergangenen 25 Jahren unter anderem in viele Länder Europas, die USA und Südafrika. Die Zusammenarbeit mit international aufgestellten B2B-Kunden hat ihn nachhaltig geprägt – und beeinflusst bis heute seinen beruflichen Alltag. Besonders wertvoll sind für ihn Herangehensweisen, die er in Deutschland mitunter vermisst: Neugier, Entdeckergeist und der Mut, Dinge einfach auszuprobieren, ohne sie vorher bis ins kleinste Detail zu durchdenken. Was er sich wünscht: Mehr „Trial and Error“, weniger Angst vor dem ersten Schritt. Diese Haltung bringt er immer wieder in Gespräche mit Kunden ein. Gerade der Vergleich mit anderen Märkten hilft ihm dabei, eingefahrene Denkmuster aufzubrechen. So eröffnet ihm die internationale Perspektive andere Zugänge zu Fragen von Abhängigkeit, technologischen Ökosystemen und alternativen Lösungswegen. 

Wahlfreiheit schafft Souveränität

Und trotz – oder vielleicht gerade wegen – seines Blicks über Grenzen hinweg zählt Lars Neumann nicht zu jenen, die den Standort Deutschland oder Europa kleinreden. Für ihn ist klar: Beim Thema Digitale Souveränität ist noch viel Potenzial, eigene Stärke zu entwickeln und die technologische Zukunftsfähigkeit von Unternehmen, vor allem im Mittelstand, aktiv mitzugestalten. Er ist überzeugt, dass Europa bei der digitalen Souveränität aufholen kann. Dabei verweist er stets auf die vielen positiven Beispiele, die zeigen, was möglich ist, wenn unterschiedliche Stärken zusammenwirken – etwa die öffentlichen Verwaltungen in Frankreich oder den Niederlanden, die durch Open-Source-Technologien unabhängiger werden.

Was sich in den vergangenen Jahren in Europas Open-Source-Landschaft entwickelt hat, beeindruckt ihn. Wenn er von Treffen mit der Community erzählt, wird spürbar, wie sehr ihn dieser gemeinsame Gestaltungswille antreibt: „Mich fasziniert, was entsteht, wenn Menschen ihr Wissen teilen und gemeinsam an Lösungen arbeiten. Mit ihren Ideen treiben sie Technologien voran, die Unternehmen aus engen technologischen Pfaden lösen können – nicht in die völlige Unabhängigkeit, aber zu mehr Wahlfreiheit und damit zu mehr Handlungsfähigkeit.“ Für Lars Neumann bedeutet digitale Souveränität nicht Abschottung. Unternehmen sollen verstehen, welche Technologien sie einsetzen, zwischen Anbietern wählen und Entscheidungen jederzeit selbstbestimmt treffen können. 

Unternehmen, die ihre Cloud-Strategie planen, empfiehlt Lars Neumann vor allem drei Dinge: von Anfang an auf Optionalität setzen, offene Standards überall dort zu nutzen, wo es möglich ist, und die eigene Architektur so dokumentieren, dass nicht nur der jeweilige Anbieter sie versteht. Denn eine Cloud-Strategie ist eine zentrale Unternehmensentscheidung – und keine Frage der Bequemlichkeit.

So geht es dem Familienmenschen und passionierten Läufer primär darum, Ideen in Bewegung zu bringen. Nicht nur über Chancen zu sprechen, sondern Tempo aufzunehmen und gemeinsam ins Handeln zu kommen. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Neugier, Pragmatismus und Gestaltungswillen, die Lars Neumann antreibt. Nicht lange über Möglichkeiten zu diskutieren, sondern gemeinsam mit Kunden die nächsten Schritte zu gehen. Dabei geht es ihm nicht nur um technologische Entscheidungen von heute, sondern um die Grundlagen für die digitale Wettbewerbsfähigkeit von morgen.

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